Sonntag, 14. Mai 2017

Die Sache mit dem Merci-Herz in Übergröße.

Gestern war eigentlich ein Tag wie jeder andere. Ich saß in meiner Erdbeerbude und wartete bis mein neunstündiger Arbeitstag zu Ende geht. Ich versank in meinem Buch und beschäftigte mich mit der Frage, ob Thomas nun aus dem Labyrinth entkommen ist oder nicht, als ich plötzlich eine junge Mädchenstimme hörte. Im ersten Moment dachte ich es wäre pure Einbildung gewesen, aber dann schaute ich über meinen Tresen und tatsächlich. Ein kleines Mädchen circa 7 Jahre stand vor meiner Bude mit viel, zu viel Gepäck für ihren kleinen Körper. Bestimmt hatte sie heute Sportunterricht gehabt, dachte ich mir. Zu meiner Grundschulzeit sah ich nämlich nicht anders aus. Besonders der Tornister, der fast größer als man selber war, blieb mir bis heute in Erinnerung. Wie dem auch sei, sie fragte mich nach dem Weg ins abseits gelegene Dorf, wo ich zufälligerweise selber wohnte. Sofort entstand das mulmige Gefühl in mir, dass sie die Strecke alleine nach Hause laufen wollte. Selbst ich fahre jeden Morgen und Abend mit dem Fahrrad 20 Minuten bis ich endlich dort bin. Ich muss dabei durch Felder und Wälder fahren. Einst stand also fest, dass Mädchen hätte unmöglich laufen können. 

Ich erzählte ihr von meiner Sorge und sie bestätigte mir, dass sie wirklich nach Hause laufen muss, weil sie ihren Bus verpasst hat. Allen Übels noch dazu, hatte sie ihr Handy auch noch in der Schule verloren. 

Ich handelte reflexartig und frage sie, ob sie nicht einfach mit meinem Handy versuchen möchte ihre Mama anzurufen. Glückstränen stiegen ihr in die Augen. Ihre Erleichterung konnte man förmlich spüren. Sie tippte die Nummer schnell ein, aber leider hob niemand ab. Ich hatte großes Mitleid mit ihr, weil ich genau erkennen konnte, wie ihr kleiner Hoffnungsschimmer blitzschnell wieder verschwunden war. Das kleine Mädchen fragte mich, ob sie noch bei ihrer Mama auf der Arbeit anrufen darf. "ABER NATÜRLICH" dachte ich mir nicht nur, sonders sagte ich ganz automatisch. 

Gott sei Dank, ging dieses mal jemand ans Handy. Ich spürte wie die Erleichterung durch meinen ganzen Körper strömte. Sie würde sicher nach Hause kommen. Ich bot ihr noch ein paar Erdbeeren und einen Platz zum sitzen an. Ein paar Minuten später fuhr ein Auto rechts ran und sie stieg ein. 

Gerade sitze ich wieder hier und arbeite, als plötzlich das Mädchen von gestern auftauchte. Dieses Mal mit ihrer Mama im Schlepptau - und dem größten Merci-Herz, welches ich je gesehen habe. Ich begrüßte sie, als sie mir plötzlich das Herz übergab. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass es für mich war. "Wofür ist das denn?", fragte ich sie. Sie sagte mir, dass sie es mir für meine Hilfe schenken möchte. Darauf erwiderte ich nur schockiert, dass es überhaupt nicht nötig gewesen sei. Da schaltete sich die Mama plötzlich ein. "So ein Quatsch, dass hätte nicht jeder gemacht!". Ein wenig irritiert bedanke ich mich bei den beiden, woraufhin die Mama noch eine Schale Erdbeeren kaufte. 

Freudestrahlend ging das kleine Mädchen mit ihrer Mama von dannen. 



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