Montag, 14. November 2016

Colonia Dignidad

Hallo ihr Lieben, 
es tut mir wirklich Leid, dass es so furchtbar lange her ist seitdem ich mich das letzte Mal bei euch gemeldet habe. Meine komplette Energie stecke ich momentan in die Vorbereitungen unseres Abiballs. Dieser findet zwar erst am 01. Juli nächsten Jahres statt, aber bis dahin müssen wir eine Menge Geld auftreiben und sehr viel Organisatorisches/Rechtliches abklären. Gestern habe ich zum Beispiel meinen Samstag geopfert und mich in der Stadt auf die Suche nach Sponsoren gemacht, was sehr erfolgreich war. Zum Glück, denn was da für Summen über den Tisch gehen - einfach unglaublich. 


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Aber jetzt zu einem ganz anderem Thema, über welches ich noch schreiben wollte. Gestern Abend habe ich es endlich geschafft den Film "Colonia Dignidad" zu schauen. Ich war mit der politischen Lage 1973 - 1990 in Chile schon vertraut gewesen, da es im Moment unser Schulthema in Spanisch ist. Auch die Sekte war kein neuer Begriff für mich, letzten Monat habe ich sogar noch Zeitungsartikel darüber ausgedruckt. Viel zu schnell sind diese wieder in den Hintergrund gerückt, sodass ich erneut aus allen Wolken gefallen bin, als ich den Film geschaut habe. 

Was sich damals auf diesem 15.000 Hektar großem Land abgespielt hat, können wir uns kaum vorstellen. Während sich in Deutschland so einiges ins positive veränderte, herrscht in Chile die pure Diktatur. Eine grauenhafte Anzahl an Menschen verlor unter furchtbaren Umständen ihr Leben. Viele sind bis heute nicht aufgetaucht. Man vermutet das Leichen einfach ins Meer geschüttet wurden, nur um sie aus dem Weg zu schaffen.  

Die Handlung des Filmes beruht jedoch auf "Colonia Dignidad". Eine Sekte die 1961 von einem Deutschen, Paul Schäfer, ins Leben gerufen wurde. 300 Bewohner lebten auf dem Gelände. Diese Insassen wurden mit Elektroschocks gequält, es gab massiven sexuellen Missbrauch und Zwangsmedikation. All dies wird in dem Film deutlich dargestellt, weshalb ich ihn wirklich jedem ans Herz lege. Schaut ihn euch an! Dieser Film beruht auf wahren Begebenheiten. Auf Dinge, denen so lange keine Beachtung geschenkt wurde. 




Von den 300 ehemaligen Bewohner leben heute nach wie vor 120 Menschen dort. 2012 wurde an diesem einst grauenhaften Ort ein Hotel für Touristen gebaut, welches nach "deutscher Art" geleitet wird. Es gibt dort deutsche Leibgerichte, deutsche Volksmusik, Bierwetttrinken und sogar ein Oktoberfest. An dem frührem Wohnhaus von Paul Schäfer war, kann man sich heute das Ja-Wort geben. Alles an genau dem Ort, wo Menschen noch vor 30 Jahren noch gelitten haben. Ihr könnt euch ein eigenes Bild davon machen, indem ihr hier auf den Link der Internetseite klickt. Sie haben den Ort jetzt "Villa Baviera" (dt. bayrisches Dorf) getauft.

Ich finde es unglaublich respektlos den Opfern gegenüber. Ich weiß, dass es Menschen da draußen gibt, welche die Meinung vertereten, dass "die Opfer doch freiwillig da geblieben sind. Schließlich arbeiten sie heute sogar in der Gastronomie Vorort." ABER sie tun das NICHT "freiwillig"! Diese armen Menschen haben keine andere Perspektive. Viele der ehemaligen Opfer sind jetzt über 80 Jahre alt und bekommen keine Rente (so ganz stimmt das nicht - 50 EUR stehen ihnen zu). Den Menschen muss geholfen werden und das macht man nicht, indem man sie an einem Ort zurücklässt, der solch schrecklichen Erinnerungen für sie hervorruft. Auch wenn man ihnen dort Berufsmöglichkeiten anbieten kann. 

Es gibt zum Beispiel den Verein Flügelschlag. Dieser möchte jugendlichen Sektenaussteiger psychologische und pädagogische Hilfe ermöglichen, um das Trauma des Missbrauchs verarbeiten können. Außerdem wollen sie dafür sorgen, dass Eltern ihre Kinder in Schulen außerhalb der Colonia Dignidad ausbilden lassen können. Zudem wollen sie die Opfer finanziell unterstützen. 

Wichtig ist es, dass wir nicht die Augen verschließen und die Vergangenheit nicht vergessen. Auch ein schickes Hotel wird den Schandfleck nicht verschwinden lassen und die Erinnerungen an diesen Ort nicht auslöschen. 

Quelle: http://www.spiegel.de/einestages/colonia-dignidad-leben-im-einstigen-folterlager-a-1078802.html

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